CDU Gemeindeverband Kleinmachnow
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07.11.2012, 18:02 Uhr
Gemeindevertretersitzung am 30.10.1952.
Kathrin Heilmann erinnerte mit einer szenischen Lesung durch namhafte Schauspieler an die Folgen der Gemeindevertretersitzung am 30.10.1952. Tagesordnungspunkt der damaligen Gemeindevertreterversammlung war die Schließung des Grenzüberganges Bahnhof Düppel.
Kleinmachnow -
Die Sprache der Schauspieler erkannten viele Zuhörer! Antifaschistischer Schutzwall, Saboteure, die Partei hat immer recht... oder der Kampf der Arbeiterklasse,  diese Schlagwörter waren wie ein Ruf aus der Vergangenheit und weckten Bilder von damals. Graue Häuser, Aluminiumfenster nach null acht fünfzehn und die gelbe aufgehende Sonne auf blauen Dederon - Baumwollblusen. Die Grundlage der szenischen Lesung war die Masterarbeit von Kathrin Heilmann an der FU Berlin im „Forschungsverbund SED-Staat“. In der Kürze von 90 min verstand Kathrin Heilmann es eindrucksvoll, den Zuhörern die Vorgänge ab dem 30.10.1952 zu vermitteln.
 
Wie bitter und schmerzvoll waren die damaligen Zeiten und so sprangen die Urteile von der grünen Projektwand jedem Anwesenden direkt ins Herz: Zuchthaus, vier Jahre, sechs Jahre und zehn Jahre! Viele Fragen nahmen die Zuhörer mit nach Hause. Wie konnte es zum Beispiel geschehen, dass ein 21jähriger Bürgermeister, der vor Amtsantritt immer wieder sagte, er sei zu jung für dieses Amt, infolge einer Gemeindeverteterversammung zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt werden konnte!
 
Schwarzweiß Fotos, Bilder damaliger Zeit und das ehemalige berliner S-Bahnnetz wurden gezeigt. Dazu erklang ein so leichtes unverfängliches Liedchen mit dem Titel: “wenn ich nach Kleinmachnow fahr’ ...”. Jeder der das Lied hörte, wollte am besten gleich aufspringen und die Menschen auf den Fotos der Projektwand warnen. Im Herbst 1952 protestierten rund 2000 Kleinmachnower Bürgerrinnen und Bürger gegen die Schließung des Grenzüberganges Bahnhof Düppel. Kleinmachnow verfügte seit den 1930er Jahren über eine günstige Verkehrsanbindungen vor allem nach Berlin West und Ost. Diese Bahnverbindung ermöglichte es, in 20 Minuten im Zentrum Berlins zu sein. Das war insofern bedeutsam, da rund 65 Prozent der Kleinmachnower Bevölkerung in Berlin arbeiteten. Im Prozess im Februar 1953 wurden dann neun Kleinmachnower Bürgerinnen und Bürger zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Einige der damals verurteilten starben im Zuchthaus. Andere wurden ihrer Bürgerrechte beraubt. Den Parteigenossen der SED kam diese Gemeindevertreterversammlung gerade zu recht. Dies war der richtige Anlass, um das „reaktionäre Nest“ wieder auf Linie zu bringen.
Höhepunkt des Abends war ein zaghaftes Lied einer jungen Gitarristin. Sie sang vom Wiedersehen und so manch einer wischte sich die Tränen aus den Augen.
 
Viele, die sich damals kannten und liebten, sahen sich eben nicht wieder...